Die Faszination oder das andere Gesicht
Ein Land das gepriesen wird als "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" offenbarte für viele Einwanderer ein anderes Gesicht. Angekommen auf dem neuen Kontinent stellte sich für Tausende die Frage, wie man überleben sollte, oder was für Perspektiven man hatte. Durch Anwerbung wurden viele Einwanderer in die Appalachen gelockt um als Minenarbeiter Kohle zu Tage zu fördern. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in West Virginia (WVa = alte Schreibweise) damit begonnen, rationell Kohle abzubauen. Hauptsächlich Immigranten aus Süd-, Mittel- und Osteuropa fanden hier eine Arbeit. Die Minenfelder erstreckten sich von den Grossen Seen Pennsylvanias bis hinunter nach Kentucky. Jede Mine hatte ihr eigenes Camp. Die Camps wurden von den Kohlefirmen aus dem Boden gestampft und bestanden aus Wohnbaracken, einem Hardware-Shop, einem Lebensmittelgeschäft und einer Bank (natürlich von der Kohlefirma geführt). Jedes Camp hatte seine eigene Währung in Form von Coins, welche nur in diesem Camp akzeptiert wurden. So verhinderte man Abwanderungen. Natürlich musste sich jeder Miner seine Ausrüstung zuerst verdienen und dann mit den Coins bezahlen. Die Lebensbedingungen waren trostlos und voller Risiken. Einerseits lauerte der schwarze Tod, andererseits gab es viele Minenunglücke durch Explosionen oder Einstürze. Die Familien waren im Schnitt 5 bis 6 köpfig. Die Jungen Burschen mussten schon mit 11 Jahren in den Minen als "Door-Boy" oder "Breaker-Boy" arbeiten bis man sie für körperlich anstrengende Arbeiten einsetzen konnte, und sie dadurch mehr verdienten und mithalfen, die Familie über Wasser zu halten.
Im Laufe des letzten Jahrhunderts, vor allem nach dem 2.Weltkrieg, wurden die Camps immer komfortabler, nicht zuletzt wegen der Gewerkschaften (Union). Das Leben wurde erträglicher und die Freizeit wurde zu einem wichtigen Bestandteil im Coalminer-Leben. Theater und Kinos wurden gebaut, Baseballfelder angelegt und für fast jede Religion Kirchen errichtet.
Vor Explosionen versuchte man sich anfänglich mit Kanarienvögel zu schützen. Wenn die Vögel eingingen, waren zuviele Gase in der Luft und eine Explosionsgefahr sehr hoch. Diese Methode war aber nicht sehr zuverlässig und zu Beginn des 20.Jahrhunderts führte man Petroleum- oder Oellampen ein, welche die Gasmenge auf einer Scala anzeigten.(siehe Bild -->)

Eine andere Anekdote...
Bei einer Exkursion in einer Mine in Scranton erzählte mir ein ehemaliger Minenarbeiter, dass man früher auf die Ratten achtete. Wenn diese wegrannten hätte man sofort in die gleiche Richtung rennen müssen um einer Katastrophe zu entgehen.
Anfang des letzten Jahrhunderts versuchten sich die Miner zu organisieren und schlossen sich zu einer Gewerkschaft zusammen. 1920 eskalierte die Situation in einem blutigen Streik, welcher als "Mine War" in die amerikanische Geschichte einging. Dieser Krieg zwischen der Union und den Kohlefirmen wurde 1987 verfilmt.
Der Film heist "Matewan" und ist in englischer Sprache als DVD erhältlich. In Amerika dient dieser Spielfilm als Unterrichtszweck für Geschichte

Wärend des 1. und 2.Weltkrieges wurde die Produktion erheblich gesteigert um genügend Nachschub für die Industrie zu beschaffen. nach dem 2.Weltkrieg wurde die Kohle als Brennstoff mehr und mehr vom Erdöl verdrängt. Einzig für die Stahlindustrie wird heute noch Kohle gefördert, jedoch nicht mehr in dem Ausmass wie in den 30er und 40er Jahren.


Typische Miner-Oellampe
~1870 bis ~1925
die Lampe wurde am Soft-Hat (Segeltuchmütze) eingesteckt und mit Oel oder Spiritus befeuert. man hatte eine offene Flamme, die bei unsachgemässer Handhabung grosse Risiken in sich barg.
Typische Miner-Carbidlampe
~1920 bis ~1950
die Lampe wurde am Soft-Hat (Segeltuchmütze) und später am Hartgewebe-Helm eingesteckt und mit Carbid und Wasser befeuert. Das Wasser tropfte auf das Carbid wobei ein brennbares Gas entstand. Mit dem Regler steuerte man den Wasserzufluss. Je mehr Wasser desto mehr Gas desto grössere Flamme. Man hatte immer noch eine offene Flamme, die jedoch durch den Reflektor effektiver war.
Was ist Kohle...
Kohle ist ein natürliches Produkt, welches in Millionen von Jahren durch biologische Schichten in der Erdmasse entstand. Durch das Versumpfen starben die Wälder ab und versanken im morastigen Grund. Dieser Vorgang entzog dem Holz Sauerstoff und Wasserstoff. Nur das Karbonat konnte nicht abgebaut werden. Die Schichten des Karbonates sanken tiefer und durch die darüber zu liegen kommende Erde komprimierter. Während der Druck dieser Schichten anstieg, begann sich Hitze aufzubauen. Durch die Hitze fand ein biologischer Verbrennungsprozess unter grossem Druck statt. Das Resultat ist Kohle!
Kohle wird in vielen Formen gefunden, dennoch ist seine Quelle dieselbe: biologische Materialien. Die Variablen, welche das Gefüge der Kohle ändern, sind die Grösse des Drucks, die Hitze und die Dauer des Entstehungsprozesses. Wir können unterscheiden zwischen Braunkohle, Steinkohle (auch Hardcoal oder Anthrazit genannt) oder einer weicheren Kohle (Schwarzkohle oder Softcoal) welche auch als bituminöse Kohle bezeichnet wird.
In den Appalachen (Gebirgskette östliche USA) fand man im 18. Jahrhundert Steinkohle und Bituminöse Kohle.
In Pennsylvania wurde hauptsächlich Anthrazit gefunden, und je südlicher man kommt desto weicher wird die Kohle (also bituminös).
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in West Virginia (W.Va. = alte Schreibweise) damit begonnen, rationell Kohle abzubauen.
Kohleabbau oder Förderung...
Es gibt zwei Gruppen von Kohleförderung, den Tagabbau und den Untertageabbau.
Während beim Tagabbau die Erdschichten abgetragen werden, bis man auf einen Kohlesaum (Flöz) stösst wird beim Untertageabbau ein Stollensystem gegraben.
Beim Untertageabbau unterscheidet man zwischen:
- Shaft-Mine bei der die Kohlevorkommen mit senkrechten Liften in den Boden gefördert werden.
- Slope-Mine bei der die Kohleforkommen mit einem schräg nach unten verlaufenden Hauptstollen erreicht werden.
- Drift-Mine bei der die Kohlevorkommen aus erhöhter Lage aus dem Berg gefördert werden. Dieser Mine-Type wurde bis in die 70er Jahre hauptsächlich in West Virginia angewandt.

ein paar historische Bilder aus den Coal-Camps in W.Va.

Kopperston Camp in den 40ern

Kopperston Art-Deco Company Store

Kopperston Bath House

Breaker Boys ~1917

Breaker Boys sortieren Dreck von Kohle im Tipple

Omar W.Va. Schichtwechsel ~1920

Wohnhäuser McDowell County W.Va. 1939

Tipple im Vordergrund Koksofen McDowell April 1936

Beladen von Bahnwagons im Tipple 1939

Sortieren und Vorbereiten für den Transport

Pulaski Colliers, Eckman, Kohlezug wird abfahrbereit gemacht 1939

elektrifizierte Strecke bei Bluefield W.Va. ~1930

Premier Red Ash Coal Co; Raven, Va June 1931

Greenbrier Coal and Coke Company, Greenbrier W.Va.

Maultiertreiber early Days

Kaymoor Mannschaft New River Coal Company 1922

Grossvater mit Enkel take a break ende 30er

Setzen einer Sprengladung Pond Creek Pocahontas Co. Bartley W.Va. 6.Jan.1933

Transport der Kohle aus der hintersten Ecke mit Elektrobahn in den 30ern

Wandergruppe auf den Bergen West Virginias 20er Jahre.

Cutting Machine 30er Jahre. Mit dieser Pressluft- Maschine unterschnitt man die Kohleader, danach setzte man oberhalb die Sprengung an

Pocahontas West Virginia Schönheiten 1939

Koks-Öfen Hier wird Kohle zu Koks bei über 1000 Grad verbrannt. Koks ist wichtig für die Stahlherstellung man beachte die Wohnbaracken am Hügel

Elkins Decker's Creek BreakerBoys early Days